Eine Hommage an Paul Watzlawick

Wiener Ärztekammer vergibt den „ersten Paul Watzlawick-Ehrenring 2008“ 

Seine "Anleitung zum Unglücklichsein" ist bis heute ein Bestseller, mit "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" hat er die psychologisch-psychoanalytische Debatte in den USA neu belebt und gleichzeitig die moderne Semiotik mitbegründet: Paul Watzlawick ist Ende März 2007 gestorben. Die Wiener Ärztekammer ehrt den großen Wissenschafter und vergibt ab April 2008 jährlich den nach ihm benannten "Paul Watzlawick-Ehrenring" an Persönlichkeiten, die sich für den Diskurs zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen sowie die Humanisierung der Welt einsetzen und auch dementsprechende Publikationen veröffentlicht haben. 

"Rehumanisierung der Medizin und Fokussierung auf das Gespräch, sowohl mit den Patienten als auch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Disziplinen, ist das Motto der Ärztekammer", so deren Präsident Walter Dorner, der auch auf die "besonderen ethischen Komponenten im Werk von Paul Watzlawick" hinweist und dessen "strukturell positive Einstellung zum produktiven Dialog" hervorhebt.

Für Dorner ist der "Paul Watzlawick-Ehrenring" ein Appell an die österreichische Wirtschaft und Politik: "Wir müssen in Zukunft alles tun, damit große Denker und Forscher in Österreich selbst die Voraussetzungen finden, um hier erfolgreich tätig zu sein. Wir brauchen die Intelligenz im Lande, um im globalen Wissensbewerb erfolgreich zu bleiben."

Ausgewählt wurde der Preisträger durch eine prominent besetzte Jury, deren Vorsitzender der ehemalige österreichische Vizekanzler und Gründer des Wiener Journals Dr. Erhard Busek ist.

Begleitend dazu soll zukünftig eine Vortragsreihe zur Zukunft der Kommunikation und Sprache stattfinden, international besetzt und bewusst disziplinenübergreifend. "Sprache und Diskurs sind in komplex organisierten Gesellschaften wesentlich – sie verschaffen Zugang zu Wissen und neuen Erkenntnissen und verhindern irrational ausbrechende Konflikte", so Dorner, der "eine neue Rolle des Arztes in der Gesellschaft von morgen" diskutieren will und dies auch als Kernthema der Ärztekammer für die nächsten Jahre sieht.
Paul Watzlawick, gebürtiger Villacher, bis knapp vor seinem Tod noch als Wissenschafter an der US-Universität in Palo Alto tätig, zählt zu den wichtigsten Denkern des 20. Jahrhunderts - als Philosoph, Psychoanalytiker, Sprachwissenschafter und praktizierender Therapeut, der stets interdisziplinär handelte und dachte und dem es, wie kaum einem anderem seit Sigmund Freud, gelang, komplexe Sachverhalte nicht nur literarisch beeindruckend einfach, sondern auch ironisch witzig zu formulieren.